Positive Kritik zur Aufführung des MGH-Frauenimprovisationstheaters

26.06.2017

Die Theater-Aufführung "Schuld-Los" der Frauen-Theatergruppe am MGH wurde gut aufgenommen - lesen Sie hier eine Kritk von Claudia Gross (wie in der Rheinpfalz veröffentlicht):

 

„Haustiere können nicht gepfändet werden“

Lacher und Denkanstöße bei „Schuld-Los“, ein Stück der Frauentheatergruppe des Mehrgenerationenhauses

Von Claudia Gross

 

Acht Frauen, acht Telefone, ein Büro, eine Aufgabe und viele Träume waren die Zutaten, mit denen die Frauen der Theatergruppe des Mehrgenerationenhauses (MGH) ihr neues Theaterstück gewürzt haben. In einer kurzweiligen halben Stunde erlebten die Zuschauer von „Schuld-Los“ am vergangenen Samstag eine gespielte Collage zum Thema Geld, Schulden und Kaufsucht.

 

Als Arbeitsergebnis des Spaßhabens kündigte die Leiterin der Improvisationstheatergruppe Hannelore Bähr das wie ein Kabarett aufgezogene Stück an. Und genau so wechselten ernste Momente mit klamaukhaften Einlagen rund um erfüllbare und unerfüllbare Träume.

 

Das Telefon klingelt, nein, acht Telefone klingeln. Beige, rotmeliert, braun, dunkelblau, rot, grün, grau und weiß – sie klingeln und unterteilen damit das Stück in Szenen. Die Apparate stehen aufgereiht an drei Tischen, hinter denen acht Frauen von 30 bis 70 Jahren sitzen und warten. Wie auf Kommando heben alle acht gleichzeitig ab, antworten gleichzeitig dieselben monotonen Sätze. Im Chorus antworten sie „Ja“ oder „Nein“ und dann ist deutlich zu hören, wie eine mehrfach wiederholt: „Es können keine Haustiere gepfändet werden.“

 

Das Publikum wird Zeuge eines Vormittags in einer Schuldnerberatung: „Nein, wer Schulden hat, darf nicht Pizza essen, nicht ins Kino gehen … nicht ausschlafen. Echt jetzt? Aber es sind ja nicht nur die Sorgen der anderen, die Arbeitskolleginnen haben ja auch selbst ihre Bürde. „Und wenn Du tanzt, bist Du woanders“, tröstet Margit Engel mit Gitarrenbegleitung die aufgeregte Kollegin.

 

Ansonsten erfahren die Zuschauer zwischen den einzelnen Telefonaten, dass man mit 17 noch Träume hat und als Teil des Establishments das Bruttosozialprodukt steigert. Die Texte bekannter Schlager und Songs werden in Monologen oder zu zweit und dritt vorgetragen. So fleht Jutta Lenhard wie einst Janis Joplin beim lieben Gott um einen Mercedes Benz, während Katharina Schlachter als Mädchen aus Piräus hoffnungsvoll-verzweifelt auf das eine Schiff wartet, was sich dann aber doch nur als rotes Papierschiffchen erweist.

 

Die Mischung aus Bericht aus der Arbeitswelt, auch mal mit Unstimmigkeiten, und eigenen Träumen und Wünschen gelingt. Das Publikum lauscht ganz leise dem poetischen Vortrag von Lisa Pfalzgraf über Geduld und lacht polternd heraus, als es erkennt, dass die geschäftsmäßige Jane Schek tatsächlich in Pippi Langstrumpfs Haus lebt. Dazwischen summt es den Text von „Money, Money, Money“ von Abba mit.

 

Seit Januar haben die acht Frauen unter Anleitung der Schauspielerin Hannelore Bähr ihr Stück erarbeitet und geprobt. Man kann gespannt sein, was die Frauentruppe für die nächste Aufführung aushecken wird.

 

Text- und Bild: Claudia Gross, alle Rechte vorbehalten. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.